ödp spendet 1000 Euro für Afghanistan

1100 Kilometer können Dr. Reinhard Erös nicht schrecken, wenn er interessierten Menschen von seiner Arbeit und seinen Erfahrungen in Afghanistan berichten kann. Am Donnerstag,den 28. Mai hatte Erös diese Strecke zwischen Bad Driburg und Regensburg (seinem deutschen Zuhause) zurückzulegen, um auf Einladung der ödp Bad Driburg seinen Vortrag mit dem Titel "Unter Taliban, Warlords und Drogenbaronen" im Erika-Stratmann-Haus zu halten.
Erös, Jahrgang 1948, war Oberstarzt der Bundeswehr, befaßt mit dem Lehren interkultureller Kompetenz und war schon in zahlreichen Krisengebieten wie z.B. Ruanda, Ost-Timor Iran, Albanien, Bosnien, Bangladesh und Indien unterwegs. Seit 20 Jahren jedoch, nach seiner vorzeitigen Pensionierung bei der Bundeswehr, engagiert er sich privat mit seiner Familie in Afghanistan. Neben dem Aufbau von Schulen für Flüchtlingskinder (bes. für Mädchen), Kliniken, und Waisenhäusern unterrichtet Erös seit 2002 Nato-Offiziere und deutsche Polizeibeamte. Für sein vielfältiges Engagement wurde er u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.
Wichtig für das Verstehen war v.a. die Vorstellung Afghanistans, das nicht nur von vielen veschiedenen Volksgruppen mit jeweils eigenen Sprachen bewohnt wird, zudem aber auch keine einheitliche gemeinsame Sprache zur Verständigung aufweist. In Afghanistan sind extrem viele Menschen Analphabeten. Überdies sind nur 10% des Landes für landwirtschaftliche Bebauung nutzbar, der Rest besteht aus Wüsten und Felsen. Die staatstragende Volksgruppe der Paschtunen stellt sowohl die Staatspräsideneten, aus ihr rekrutieren sich aber auch die Taliban. Die geographische Lage Afghanistans hat das Land zu allen Zeiten Belagerungen und Angriffe anderer Staaten ausgesetzt, u.a. durch das damalige Persien, England, die frühere Sowjetunion und jetzt die USA.
Als besonders aufschlußreich erwies sich die genauere Analyse des Islam. Der afghanische Islam, so Erös, unterscheide sich in einigen Punkten ganz wesentlich vom saudi-arabischen Islam der Taliban, deren Anführer und Mitglieder in pakstanischen Koranschulen ausgebildet werden. Seit 1995 wurden diese islamistischen Fundamentalisten zur dominierenden Kraft in Afghanistan und drängten der Bevölkerung mit Intoleranz und brutaler Gewalt ihre Glaubensmaximen auf. Interessant war in diesem Zusammenhang der Hinweis von Erös, dass kein Afghane unter den Terroristen des 11. September oder unter Selbstmordattentätern zu finden war. Vielmehr seien inzwischen zweifelsfrei Täter aus Saudi-Arabien bei den Anschlägen von Bali, London und Madrid identifiziert worden. Infolgedessen richte sich der Zorn auf die "islamistischen Terroristen" gegen die falschen Personen, aber Saudi-Arabien habe wegen seines Ölreichtums von der westlichen Politik keinerlei Repressalien zu befürchten.
Eindringlich warnte Erös auch vor der hier üblichen Einteilung in "Gut und Böse", diese Begriffe seien absolut fehl am Platz, weil es nicht nur arrogant sondern auch unsinnig sei, westliche Maßstäbe an ein über 5000 Jahre altes Kulturvolk anzulegen, dass auch in dem momentanen Krieg wieder bereit sei, Menschenleben zu opfern. Den Verlust seiner Kulturgüter aber beklagten die Afghanen als noch schlimmer, weil diese unwiderbringlich seien und das Volk so seine Identität verliere.
Erös drückte außerdem sein Bedauern über die Ineffektivität der Bundeswehr aus. Es sei eine Absurdität ersten Ranges, dass mit Hilfe der westlichen Soldaten weder eine nutzbringende afghanische Armee oder Polizeitruppe aufgebaut würde, sondern ca. 80% der Soldaten in hermetisch abgeriegelten Camps, ohne jeglichen Kontakt zur Bevölkerung, mit der Logistik und Versorgung der eigenen Truppen beschäftigt seien. Es bleibt zu fragen, ob die vielzitierten Appelle von Erös an deutsche Politiker an deren Schwerfälligkeit oder offensichtlicher Uneinsichtigkeit scheitern. Festzuhalten bleibt, dass die Arbeit privater Hilfsorganisationen oder NGO?s (Nichtregierungsorganisationen) unabdingbar notwendig und unverzichtbar ist, und wir alle uns verantwortlich fühlen sollten.
Diesem Fazit konnte sich die ödp Bad Driburg nur anschließen und überreichte Dr. Erös einen Scheck über 1000 Euro, bevor sie ihn mit guten Wünschen für seine Arbeit in Afghanistan entließ. Für alle, die an diesem äußerst hörenswerten Vortrag nicht teilnehmen konnten, seien die Bücher des Referenten "Tee mit dem Teufel" und "Unter Taliban, Warlords und Drogenbaronen" empfohlen, ebenso wie die website www.kinderhilfe-afghanistan.de

Bilder vom Vortrag





Herr Seeman begrüßt Herrn Dr. Erös







Abschlussbild: von links B. Bartsch, M. Thiel, eine Zuhörerin, Dr. Erös